Eine Frau im Lichtspiel auf einem Segelboot

Trinomis: Filmemacherin Caro Strasser im Interview

Girlpower auf See

4 Min.

© Caro Strasser

Der Film begleitet eine zwölfköpfige All-Female-Sailing-Crew auf ihrem Weg zur Hochseeregatta „Aegean 600“ – und erzählt dabei vor allem eine Geschichte über Zusammenhalt, Selbstvertrauen und weibliche Stärke in einem Umfeld, das immer noch stark männerdominiert ist. Im Mittelpunkt stehen persönliche Perspektiven, Leadership innerhalb eines rein weiblichen Teams und die Frage, wie Frauen ihre eigenen Grenzen neu definieren. Die Dokumentation zeigt, was passiert, wenn Teamspirit stärker ist als jedes Klischee. 

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Initiiert wurde das Projekt von der Salzburger Regisseurin CarolineStrasser und Skipperin sowie Executive Producerin Julia Stelzl. Beide haben zudem den Film neben ihren Hauptberufen eigenständig entwickelt und umgesetzt – als erstes Projekt in dieser Größenordnung. Die Crew besteht überwiegend aus Österreicherinnen, wird von zwei Schweizerinnen ergänzt und vereint unterschiedliche Lebenswege, Erfahrungen und Motivationen zu einer gemeinsamen Mission. 

Eine Frauencrew auf einem Segelboot
© Caro Strasser

Wie kam die Idee zum Dokumentationsfilm „Trinomis“? 

Caroline Strasser: Julia Stelzl ist eine Freundin von mir und außerdem leidenschaftliche Seglerin. Irgendwann kamen wir ins Gespräch, ob wir gemeinsam ein Projekt starten wollen. Wir entschieden uns für die „Aegean 600“, eine 600 Seemeilen lange Hochseeregatta, eine der härtesten Europas. Wir waren das erste 12-köpfige Team nur aus Frauen. Ich habe den gesamten Film selbst ge- filmt und fotografiert – eine echte Herausforderung, aber ich wollte unbedingt etwas Eigenes schaffen. Nach 18 Jahren im Film- und Fernsehbereich war es mein großer Traum, ein eigenes und zudem nachhaltiges Werk zu produzieren. 

Filmemacherin Caro Strasser
© Caro Strasser

Wie war der Zusammenhalt und die Dynamik an Bord während der Regatta? 

Mich hat überrascht, wie harmonisch alles lief. Natürlich gab es ab und zu Meinungsverschiedenheiten – das ist normal, wenn man übermüdet ist und sich unwohl fühlt. Im Nachhinein kann man darüber lachen. Wichtig war, dass alle klare Anweisungen hatten und diese befolgten. An Bord braucht es geordnete Strukturen. Unser Leitsatz lautete: „Das Ego bleibt am Steg.“ Und wenn etwas war, wurde es sofort angesprochen, damit sich nichts anstaut. Das hat unglaublich gut funktioniert und den Teamgeist gestärkt. 

Was war das Highlight auf dem Boot? 

Wir starteten am Tempel des Poseidon – eine beeindruckende Kulisse. Über 60 Boote in verschiedenen Klassen nahmen teil, wir sind mit unserer Bootsklasse als letztes gestartet. Ein Helikopter kreiste über uns, das war einfach spektakulär. Kurz nach dem Start hatten wir bereits eine beinahe 90-Grad-Schräglage, und ich versuchte, meine Kamera festzuhalten. Da war ich dann tatsächlich schon etwas nervös. 

Ging das Projekt auch an die persönlichen Grenzen? 

Absolut. Ich wusste nicht, was mich erwartet. Wir hatten sehr wenig Schlaf, ein Schichtsystem, eingeschränkte Hygienemöglichkeiten, Spritzwasser überall und nachts hohe Luftfeuchtigkeit. Meine Kameralinse war ständig beschlagen, der Wind erschwerte den Ton, und die Dunkelheit machte alles noch herausfordernder. Es hat mich definitiv an meine Grenzen gebracht. 

Wie war es, als ihr den Hafen erreicht habt? 

Es war sehr emotional. Wir wollten als erstes Frauenteam beweisen, dass wir es schaffen. Die Euphorie und Erleichterung im Hafen waren riesig. Wir wurden mit Pizza und Bier empfangen, und alle waren einfach glücklich, heil angekommen zu sein. 

Was sollen die Zuschauer:innen vom Film mitnehmen? 

Ich hoffe, dass sie den Spirit der Crew spüren – wie sehr sich die Frauen gegenseitig gepusht und aufeinander verlassen haben. Sie haben alle Kräfte gebündelt, die sie hatten. Der Film zeigt, dass es nicht immer nur ums Ziel geht, sondern um den Weg dorthin und den Mut, den man auf diesem Weg braucht. 

Wo wird „Trinomis“ zu sehen sein? 

Wir haben den Film frei produziert und befinden uns jetzt in der Festivalphase. Das heißt, wir reichen den Film bei verschiedenen Festivals ein, und dort wird entschieden, ob und wann er in einem Programm gezeigt wird. Ich hoffe, dass diese Phase einige Türen öffnet. Cool wäre es auch, wenn wir mit einem Streaming-Anbieter zusammenarbeiten könnten. Es wird sich in den nächsten Monaten zeigen, auf welcher Plattform „Trinomis“ letztendlich zu sehen sein wird.

Mehr über die Autorin dieses Beitrags

Elisabeth Trauner
© Privat

Elisabeth Trauner ist Redakteurin bei Unser SALZBURG und mit Stift, Block und Herz immer zur Stelle, wenn Menschen spannende Geschichten zu erzählen haben. Sie hört Podcasts, braucht Krimis und True Crime-Dokus zum Einschlafen und probiert gerne neue Kochrezepte aus, die aber meistens komplett schief gehen.

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