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Trauer: So gehst du am besten damit um

Interview mit einer Expertin

5 Min.

© Tom Caillarec / Unsplash

Trauer ist nicht nur traurig. Sie kann Wut, Schuld, Scham, Erleichterung, Freude und sogar Lachen beinhalten. Warum es keine “richtige” Art zu trauern gibt, was Angehörige tun können und wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist.

Trauer hat viele Farben

Der Verlust eines nahestehnden Menschen, kann das Leben komplett verändern. Wir alle gehen unterschiedlich mit Trauer um: Während die einen offen darüber sprechen, fällt es anderen schwerer, ihre Gefühle auszudrücken. Manche kommen schneller darüber hinweg, andere haben länger damit zu kämpfen. Trauer zeigt sich in den unterschiedlichsten Formen, es gibt kein richtig oder falsch, und sie ist eine ganz natürliche und individuelle Reaktion auf den Verlust. Doch egal, wie sie sich äußert, wichtig ist, der Trauer Raum zu geben. Und: Sie muss nicht alleine bewältigt werden. Petra Kozisnik, Geschäftsführerin des Landesverband Hospiz Niederösterreich, im Gespräch darüber, wie man den Weg durch die Trauer finden kann.

Petra Kozisnik
© Foto Mitterer

Was passiert mit uns, wenn ein geliebter Mensch stirbt?

Petra Kozisnik: Trauer ist eine völlig normale Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen. Es ist nichts Pathologisches oder Krankhaftes, aber schon auch etwas, das gesellschaftlichen Normen unterliegt. Und Trauer ist nicht nur ein Gefühl, sondern ganz, ganz viele Gefühle. Manche erscheinen angemessener als andere und oft spielt dabei eben auch die Kultur eine Rolle. Grundsätzlich ist es eigentlich aber auch ein schönes Gefühl, traurig zu sein, etwas zu vermissen oder etwas verloren zu haben, das man nicht hergeben hätte wollen.

Kann man Trauer in “typische” Phasen einordnen?

Es gibt schon einige Trauermodelle, also phasenhafte Verläufe und auch Traueraufgaben. Allerdings sind viele davon mit der Zeit stark vereinfacht worden und die Phasen werden so dargestellt, als würden sie linear ablaufen. Und das ist es eben gar nicht. Chris Paul, eine renommierte Trauerbegleiterin aus Deutschland, vergleicht die Trauer etwa mit einem Kaleidoskop: Diese vielen bunten Farben sind wie die vielen unterschiedlichen Gefühle, die bei Trauer auftreten. Diese können angefangen von sehr positiven Gefühlen, wie Freude und Lachen, bis hin zu Erinnerungen gehen. Sie können aber auch Scham, Zorn, Wut oder Schuld sein. Etwas, das in unserem Kulturkreis oft zu beobachten ist, ist dass man teilweise auch erleichtert ist über den Tod, da der Unterstützungsbedarf so hoch und anstrengend war, dass man oft nicht mehr gewusst hat, wie man das schaffen soll.

Wie können Angehörige oder Freunde konkret unterstützen?

Was sehr hilfreich ist, ist grundsätzlich Interesse an der verstorbenen Person zu zeigen. Und es ist wichtig, der Trauer und Gesprächen darüber Raum zu geben. Oft kommt die Frage auf, ob man zum Beispiel “Wie geht’s dir?” sagen darf. Das ist eine sehr allgemeine Frage. Besser wäre es vielleicht zu fragen: “Wie geht es dir heute?” – das eröffnet einen anderen Raum und eine neue Gesprächsmöglichkeit.

Trauer ist eine völlig normale Reaktion auf den Verlust eines geliebten Menschen.

Petra Kozisnik, Geschäftsführerin Landesverband Hospiz Niederösterreich.

Gibt es noch andere Sätze, die man lieber nicht sagen sollte?

Sätze wie: “Das wird schon wieder”, “Er war eh schon alt.”, “Er hat wenigstens ein schönes Leben gehabt” oder “Schau, jemand anderem geht es noch viel schlechter.” – dieses Vergleichen: “das ist nicht so schlimm”, ist nicht besonders hilfreich.

Todestage oder auch besondere Anlässe und Feiertage wie Weihnachten erinnern uns oft besonders stark an verstorbene Menschen, die uns nahegestanden sind. Wie geht man mit diesen Jahrestagen am besten um?

Der erste Todestag nach einem Jahr ist oft ein ganz sensibler Punkt, weil die Erinnerungen anfangs wahnsinnig frisch sind. Nach und nach verblassen sie jedoch und treten mehr in den Hintergrund. Dadurch entsteht häufig auch die Angst, dass man die Erinnerungen an diesen Menschen verloren gehen. Wichtig ist, dass man sich überlegt: was bleibt, was hat sich manifestiert von der anderen Person und wie kann ich das weiterführen? Das ist ein ganz wichtiger Schritt.

Wann sollte man sich unbedingt Unterstützung holen?

Wenn ich merke, ich kann viele Dinge nicht mehr angehen und finde keinen Weg zurück in den Alltag. Man ist kein Versager oder keine Versagerin, wenn man um Hilfe bittet. Es ist einfach schwer, zur Normalität zurückzukehren, wenn ich plötzlich in einer Welt lebe, in der ich ohne die geliebte Person eigentlich nicht leben will. Und das ist schon harter Tobak.

Welche Rolle können Trauergruppen und professionelle Trauerbegleitung spielen?

Trauergruppen können dabei unterstützen, wieder in den Alltag zurückzufinden, sich mit seinen Gefühlen auseinanderzusetzen oder sich neue Rituale zu schaffen. Es geht unter anderem viel darum, wie man sich an den verstorbenen Menschen so erinnern kann, dass er in meinem Alltag Platz findet; zum Beispiel mit einem Trauer-Tagebuch oder durch einfaches Aufschreiben von Erinnerungen. In den Trauergruppen entstehen oft auch Freundschaften. Das ist sehr wertvoll, denn oft hat man das Gefühl, nicht verstanden zu werden und plötzlich sind da andere Menschen, die das Gleiche oder Ähnliches erfahren haben. Und dadurch entsteht wieder das Gefühl, doch wo dazuzugehören. Zudem hilft es, das Gefühl des Alleinseins zu mindern.

Was wünschen Sie sich, dass wir als Gesellschaft über Trauer besser verstehen?

Dass Trauer nicht nur traurig und schwer ist, sondern sehr facettenreich. Dass man diesem Gefühlsspektrum Raum geben muss und sich nicht fürchten muss, und dass es kein Richtig oder Falsch gibt, wenn es ums Trauern geht. Zudem sollte man sich schon vor dem Tod damit beschäftigen, dass man geliebte Menschen verlieren könnte und dann schon gemeinsam Dinge gestaltet, die man gerne noch machen würde. Eigentlich wissen wir das, aber wir verdrängen es meistens und das ist nicht ideal. Ich denke, es wäre wichtig, keinen Bogen um die Endlichkeit zu machen oder sie so weit wegzuschieben wie möglich, sondern sich ihr zuwendet, denn sie führt zu einer anderen Lebensgestaltung.

Einen Überblick über alle Trauerangebot in deiner Regino gibt es unter www.hospiz-noe.at

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