Sängerin Filiah

Zeit zum Ausatmen: Filiah im Interview über ihre neues Album “A Deep Breath Out”

Ein sehr persönliches Gespräch.

6 Min.

© Sophie Löw

Zwischen Indie-Folk und Pop, zwischen Therapie und Songwriting: Filiah lädt mit ihrem neuen Album „A Deep Breath Out“ zum Ausatmen ein. Ein persönliches Gespräch über Verletzlichkeit, Selbstfindung und den Mut, loszulassen.

Die niederösterreichische Sängerin Filiah im Interview

Nina Schwarzott alias Filiah macht schon seit ihrer Kindheit Musik. Zu musizieren und zu singen war für die 27-Jährige schon immer der natürlichste Weg, sich auszudrücken. Das zeigt sich auch heute in ihren eigenen Songs. Vier Jahre nach ihrem Debütalbum „For Someone“ hat die Sängerin aus Bad Fischau nun ihr zweites Album veröffentlicht. „A Deep Breath Out“ – mit Songs zwischen Indie-Pop, melancholischen Klängen und Beats, die zum Tanzen verführen – ist intim, ehrlich und voller Selbstkonfrontation.  

Was atmest du mit deinem Album aus?

Filiah: Viele Dinge. Ich beschreibe es gerne so: Das Album ist wie ein Gespräch, in dem nichts mehr offen ist – wie eine Therapiestunde, oder bei einem Kaffee mit einer Freundin, die man länger nicht gesehen hat. Man hat so viel auf der Seele und will das alles loswerden. Manche der Songs sind schon vor sieben Jahren entstanden. Das Album ist wie ein Zeitdokument meiner Zwanziger. Es geht viel um Unsicherheiten, alte Muster, von denen man sich befreit, Selbstbilder, Angst … das habe ich damit jetzt ein bisschen ausgeatmtet. Es fühlt sich wirklich nach einem Release im doppelten Sinn an!

Du hast fast sieben Jahre an deinem Album gearbeitet, damals warst du 20 – was würdest du deinem Jüngeren Ich von damals heute sagen?

Dass alles für irgendetwas gut sein wird. Dass sie sich nicht zu viel Stress machen soll. Und, dass sie nicht das Gefühl haben soll, sich ständig beweisen zu müssen, damit sie ernst genommen wird!

Was macht dein neues Album aus?

Für mich ist es ein „No-Skip-Album“! (lacht) Ich habe die Auswahl der Songs sehr genau und durchdacht getroffen. Es fühlt sich einfach total nach mir an! Ich habe keine Kompromisse gemacht und versucht, nicht zu viel nach außen zu gehen, bevor nicht alles fertig war. Ich habe in meiner kleinen Bubble mit meiner Band im Studio daran gearbeitet und es ganz lange niemandem gezeigt, bis es nicht wirklich richtig fertig war! 

Wie würdest du deinen Stil beschreiben?

Ich beantworte diese Frage immer ungern mit einer klassischen Genre-Antwort. Ich lass mir das eigentlich recht offen, denn die Musik, die ich mache, ist immer das, was in dem Moment gerade natürlich aus mir rauskommt und was sich für mich am besten anfühlt. Ich sage immer: Indie-Folk mit einem Pop-Sparkle. Aber ich versuche generell eher, mich nicht wirklich einzuordnen. Musik ist für mich einfach etwas sehr Freies. 

Ist Songwriting für dich eher Therapie, Verarbeitung oder Befreiung?

Das ist alles miteinander verstrickt. Für mich ist Musik ein Ort, wo ich einfach alles rauslassen und sagen kann. Es ist sowohl Therapie, als auch Loslösen und Loslassen. 

Kann Musik Dinge ausdrücken, für die Sprache manchmal nicht reicht?

Ja, ich glaube schon. Durch die Musik hat man einfach mehr Ventile, sich auszudrücken. Durch die Songs, die Stimme, man spürt es im ganzen Körper. Für mich auch besonders spannend: Ich bin eigentlich ein sehr introvertierter Mensch, aber auf der Bühne gar nicht.

Dein neues Album ist ein Mix aus melancholischen Sounds, aber auch tanzbarer Musik  – sind diese Gegensätze bewusst gewählt?

Mir war wichtig, dass das Album vieles widerspiegelt und sehr bunt wird. Ich liebe Kontraste – die ganze Welt ist voll damit. In der Musik und in der Kunst ist das genauso. Ich wollte, dass alle Emotionen Platz haben. 

Wenn sich dein Album in einem Spiegel anschauen könnte, was würde es sehen?

Ich glaube, mein Album ist schon sehr nahe bei mir selbst.Wenn es eine eigene Identität hätte, die sich in den Spiegel schauen würd, dann würde es auf jeden Fall etwas sehr, sehr Liebevolles sehen. Und dadurch, dass es extrem viel um Selbstkonfrontation geht, ist eigentlich das ganze Album an sich schon ein Spiegel. 

Wie du gerade gesagt hast: Es steckt viel Selbstkonfrontation in deinem neuen Album – gab es einen Moment beim Songwriting-Prozess, in dem du „Angst“ davor hattest, welche Emotionen dabei in dir selbst ausgelöst werden könnten? 

Im Moment selbst habe ich keine Angst, da denke ich darüber nicht nach. Das kommt meistens erst danach. Dann fällt mir plötzlich ein, dass ich den Song ja vielleicht veröffentliche und mit anderen teile. Der Prozess mit mir allein, stresst mich nicht. Auch die Arbeit im Studio nicht, denn ich arbeite mit meinem besten Freund zusammen, der mich sehr gut kennt und eigentlich alles über mich weiß. Oft ist es schon so, dass sich ein Song unmittelbar nach dem Entstehungsprozess sehr nah anfühlt. Dann hilft es mir, mir auch die Möglichkeit offen zu lassen, ihn nicht releasen zu müssen, wenn es doch zu viel ist. 

Gibt es Themen, über die du nie schreiben würdest, weil du dich damit zu verletzlich machen  oder zu viel von dir preisgeben würdest? 

Ich glaube, wenn es soetwas gibt, dann würde ich schon darüber schreiben, aber einfach nicht releasen. Aber eigentlich nicht, weil ich bis jetzt keine schlechten Erfahrungen damit gemacht habe, dass ich einfach offen bin. Ich bin halt so … und das Wertvollste, das wir haben, ist es, miteinander in Verbindung zu treten. Wenn ich mich verletzlich mache, dann hat vielleicht auch die andere Person einen saferen Space, um sich verletzlich zu machen. So entstehen die schönsten Konversationen. Man sollte sich nie alleine fühlen mit seinen Struggles, Ängsten oder Unsicherheiten – und die haben wir alle! 

Hast du einen persönlichen Lieblingssong am neuen Album?

Nein, tatsächlich nicht. Das wechselt immer wieder! (lacht) Als Songwriterin bin ich aber am meisten stolz auf „Playground Vision“. Ich habe einen ganzen Tag lang nur damit verbracht, diesen Song zu schreiben. Ich war wie in Trance! Das war letztes Jahr zu Halloween – eine coole aber auch sehr schräge Erfahrung. Das war eine ganz eigene Magie an diesem Tag. Ich hatte das Gefühl, der Song sitzt schon sehr lange in mir, aber ich habe es nie so richtig geschafft, ihn zu schreiben. An diesem Tag hat es dann geklappt und ich war total erleichtert. Ich dachte mir danach: „Ich glaube, ich habe einen Song geschrieben, den ich immer schon schreiben wollte!“  

Was sollen Menschen, die dein neues Album hören, fühlen und mitnehmen?

Das bleibt eigentlich völlig ihnen überlassen. Ich wünsche mir, dass Menschen, die es hören –und denen es vielleicht ähnlich geht, wie mir – auch eine Art Release erleben können. Ich selbst hatte zum Beispiel nicht die einfachste Schulzeit und Jugend. Mein Outlet war damals die Musik und ich habe mich in vielen Songs, die ich gehört habe, zuhause und verstanden gefühlt. Dieses Gefühlt mit meinen eigenen Songs weiterzugeben, wäre mein oberstes Ziel! Aber das kann ich natürlich nicht beeinflussen …

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