Ein Käfig voller Narren
Mit „Ein Käfig voller Narren“ bringen Alfons Haider und Mark Seibert eine Geschichte auf die Bühne, die unterhält, berührt und bis heute relevant bleibt.
Alfons Haider und Mark Seibert © Kurt Pinter
Im Interview über “Ein Käfig voller Narren” sprechen Alfons Haider und Mark Seibert über Glamour, Vatergefühle und Mut.
Wenn Alfons Haider von Zaza erzählt, klingt sofort durch, wie viel Herz in dieser Rolle steckt. Und auch Mark Seibert spricht über „Ein Käfig voller Narren“ längst nicht nur als Musicalkomödie, sondern als Geschichte über Liebe, Familie und den Mut, zu sich selbst zu stehen. Zwischen schillernden Kostümen, pointiertem Humor und großen Emotionen entsteht in Mörbisch ein Abend, der weit mehr sein will als bloße Unterhaltung. Im Gespräch erzählen die beiden Hauptdarsteller, warum gerade Leichtigkeit harte Arbeit ist, weshalb Komödie oft unterschätzt wird und wie viel von ihnen selbst am Ende in ihren Figuren steckt.
„Ein Käfig voller Narren“ lebt von Figuren, die mit Identität spielen. Welche Aspekte an eurer Rolle gehen euch nahe?
Alfons Haider: Die Tatsache, dass es eine wunderbare Mutterrolle gibt – Zaza –, ist Garant dafür, dass diese Komödie einen herzlichen Tiefgang haben wird. Ich habe vor, dass die Menschen bereits fünf Minuten nach dem Auftritt völlig vergessen, dass Zaza in Wirklichkeit ein Mann ist.
Mark Seibert: Gerade die unendliche Liebe eines Vaters zu seinem Sohn kann ich natürlich als zweifacher Vater bestens nachempfinden und sie ist ein wichtiger Bestandteil meiner Rolle in dem Stück. Und ja, die Vaterrolle ist ein neues Genre für mich, auf das ich mich sehr freue. Die Liebe zu einem Partner bzw. einer Partnerin hab ich natürlich schon dutzende Male spielen dürfen und da ist es für mich egal, ob es Mann/Frau oder Mann/Mann ist. Es soll ehrlich und erfüllend rüberkommen.
Die Geschichte ist nicht neu, und die Welt hat sich weitergedreht. Wie aktuell ist die Geschichte von „Ein Käfig voller Narren“ heute noch?
Haider: Diese Geschichte wird immer interessant bleiben, weil es immer noch viele Menschen gibt, die Angst vor gleichgeschlechtlichen Beziehungen haben. Ich durfte zwei Saisonen die Zaza spielen und zwei Dinge sind mir besonders aufgefallen: Erstens, dass besonders Kinder von dieser Geschichte rund um die Liebe sehr angetan waren, und zweitens, dass wir während der Spielzeit unzählige Danksagungen bekommen haben, für den Versuch, diese Botschaft der Freiheit auf eine Bühne zu bringen.
Seibert: Obwohl sich sicher in den letzten Jahrzehnten hierzulande sehr viel für Homosexuelle zum Positiven verändert hat, heißt das nicht, dass es nicht immer noch viele, viele Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen gibt. Somit bleibt es leider weiterhin ein Thema und solche Geschichten verlieren nicht an Aktualität. Dennoch möchte ich aber auch dafür plädieren, dass der Ruf nach Akzeptanz und Toleranz keine Einbahnstraße ist. Und das sehe ich in den letzten Jahren leider auch sehr oft. Daher beobachte ich mit Sorge, dass die Spaltung der Gesellschaft in zwei oder mehrere Lager zunimmt.
Gerade Figuren wie Zaza leben von Überzeichnung, Glamour und Inszenierung. Wo seht ihr Parallelen und wo die Grenzen zu eurem eigenen Leben?
Seibert: (lacht) Also mein Leben ist zwar sehr spannend, aber nicht wirklich glamourös. Eigentlich sogar sehr bodenständig. Mir als kreativer Mensch in einem künstlerischen Beruf war es immer sehr wichtig, mir dieses Bodenständige, Sachliche und wenig Emotionale zu erhalten. Drama und Glamour habe ich genug im Theater und hier und da auch mit meinen Kindern. Das reicht mir. Somit führe ich ein eher spießiges Leben im Vergleich zu unseren Figuren aus der Show.
Haider: Mein Leben ist sicherlich nicht so glamourös wie jenes von Zaza. Aber ich glaube, dass ich die gleiche Sensibilität habe wie dieser Charakter. Ich habe selbst väterliche Gefühle für meine – wie ich sie immer nenne – drei Kinder: Anna Rosa Döller, Timotheus und Aeneas Hollweg. Väterliche Gefühle können ohne Weiteres genauso tief sein wie mütterliche. Ich gebe zu, dass ich mich auf die sechs Wochen Glamour wirklich freue.

Das Stück erzählt viel über Mut – den Mut, zu sich selbst zu stehen. Wann wart ihr zuletzt in eurem Leben abseits der Bühne mutig?
Haider: Ich habe mir in meiner Karriere wirklich sehr oft selbst geschadet, denn gesellschaftspolitische Äußerungen von Künstler*innen sind für viele Menschen ein No-Go. Aber dazu gehört auch, dass ich mich nicht verbiegen lasse und ein treuer Verteidiger von Gleichberechtigung und Menschlichkeit bin.
Seibert: Eigentlich immer wieder aufs Neue in diesem Beruf, der keine Absicherung und keine langen Verträge bietet – Und das als Vater einer Familie mit den entsprechenden Kosten und Bedürfnissen. Mir geht es sehr gut und ich hatte niemals Zukunftsängste. Aber eine Portion Mut hilft, diesen Beruf mit viel Unsicherheiten Jahr für Jahr zu meistern.
Auf der Bühne wirken Musicals oft so mühelos, aber genau diese Leichtigkeit ist ja harte Arbeit. Was ist schwieriger: Menschen zum Lachen zu bringen oder sie emotional zu berühren?
Haider: Das ist eine extrem gute Frage. „Ein Käfig voller Narren“ kann beides. Für mich gibt es keine andere Komödie, die so nahe die Überzeichnung einer Geschichte und echte, glaubwürdige Gefühle hat.
Seibert: Für mich ganz klar: Komödie ist die Königsklasse. Denn neben der ehrlichen Interpretation von Texten und Rollen ist das richtige Timing das A und O, ob eine Pointe sitzt oder stirbt. Und das ist absolute Teamarbeit.
Wenn man euch nach der Vorstellung in der Garderobe trifft – was bleibt dann von euren Figuren übrig? Streift ihr die Rolle komplett ab oder nehmt ihr ein Stück mit nach Hause?
Seibert: Sicherlich wird das Publikum wie in jeder meiner Rollen auch in Georges ein wenig Mark erkennen. Das ist auch völlig normal, denn ich spreche bzw. singe mit derselben Stimme und agiere mit demselben Körper. Und Georges ist mir gar nicht so unähnlich. Ich kann viel meiner Lebenserfahrung und meiner Liebe fürs Theater dort einfließen lassen. Aber ja, letztendlich ist und bleibt es eine Rolle – eine möglichst ehrliche Rolle.
Haider: Ich werde sicherlich ein bisschen Zeit brauchen, um mir Zazas Hüftschwung wieder abzugewöhnen (lacht). Meine Füße werden es mir jedenfalls danken, nach einer Vorstellung aus den High Heels zu kommen. Den Humor und die Sensibilität Zazas werde ich jedoch lange nicht ablegen.
Ein Käfig voller Narren
Das schwule Paar Georges und Albin führt seit über 20 Jahren eine glückliche Beziehung. Gemeinsam betreiben sie den bekannten Travestie-Nachtclub „La Cage aux Folles“ in Saint-Tropez, in dem Albin als schillernde Diva „Zaza“ der absolute Star ist. Das idyllische Leben gerät aus den Fugen, als Georges’ Sohn (aus einem früheren „Fehltritt“) verkündet, heiraten zu wollen. Die Auserwählte ist ausgerechnet die Tochter eines erzkonservativen, homophoben Provinzpolitikers. Das Leben der beiden Männer wird komplett auf den Kopf gestellt, was in einer turbulenten Verwechslungskomödie gipfelt.
Seebühne Mörbisch, 16. Juli bis 22. August
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