
© Ingo Pertramer
Willkommen in der Werkstatt zur Entwicklung der Zukunft! Die CampusVäre belebt nun bereits seit vier Jahren mit einem einzigartigen Projekt die ehemaligen Sägenhallen in Dornbirn. Und das kongeniale Kollektiv hat noch lange nicht genug. Kreatives Mastermind der beispiellos innovativen Kreativinitiative ist Bettina Steindl. Die Geschäftsführerin und Kuratorin blickt auf die rasante Entwicklung des noch jungen Zentrums für Kreativarbeit und verrät die Zukunftspläne für das zentrale Areal im Herzen der größten Stadt Vorarlbergs. Denn unter dem Slogan „Wegen Umbau geöffnet“ wird sich die CampusVäre 2025 progressiv verwandeln. Die Vorarlbergerin Business begab sich zum Lokalaugenschein dieser Erfolgsstory – work in progress.

Urbane Coolness made in Vorarlberg.
Seit Jahren blüht Dornbirn auf. Mitten in diesem spannenden Entwicklungsprozess eines scheinbar nicht enden wollenden urbanen Frühlings bahnt sich auch die CampusVäre einen Weg und erweitert das Stadtzentrum um einen multidimensionalen Raum für alle. 2021 bezog das Kreativzentrum die alten Sägenhallen an der Dornbirner Ache, direkt hinter der FH Vorarlberg. Geschäftsführerin Bettina Steindl leitet den Prozess seit der ersten Stunde. Sie schwärmt mit Begeisterung von dem Projekt, in das sie gemeinsam mit ihrem Team viel Einsatz und Herzblut investiert. Und dabei beweist diese außergewöhnliche Kreativinitiative von Anfang an, wie viel sich mit Kreativität, Flexibilität und offenen Dialogen bewegen lässt. Was 2019 mit der Entwurfsidee des Komitees zur Kulturhauptstadtbewerbung begann, wurde in diesem Jahr als CampusVäre auf die Weltausstellung EXPO in Osaka eingeladen. Klingt erfolgreich ambitioniert, ist aber noch viel cooler. Doch nun erst mal alles der Reihe nach.

Vom Plan B zur 1a-Idee.
Bevor die gebürtige Tirolerin Bettina Steindl sich unweit ihrer Heimat Hals über Kopf ins Ländle verliebte, ist sie schon ordentlich herumgekommen. Bereits während eines Wirtschaftsstudiums in Innsbruck galt ihr Interesse nachhaltigen und feministischen Schwerpunkten. Vor einer bewegten Zeit in Wien, wo sie unter anderem das designforum Wien leitete, arbeitete sie neben Lehrtätigkeiten an der Uni Linz und der FH Graz für die Kulturhauptstädte Linz 09 und Ruhr 2010. Nur logisch also, dass sie als erfahrene Expertin auf dem Gebiet auch für die Vorarlberger Bewerbung in das Arbeitsprojekt Dornbirn plus berufen wurde. Leider oder eher glücklicherweise kam wie so oft im Leben alles anders – das Projekt wurde nicht ausgewählt. Der damalige EU-Botschafter in Österreich, Martin Selmayr war jedoch so begeistert von der Idee, dass er aktiv anregte, das spannende Projekt nicht ad acta zu legen. Auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann war sofort überzeugt und der alles entscheidende Anruf bei Bettina Steindl ließ nicht lange auf sich warten. Die Stadt Dornbirn verwarf alle Abbruchprojekte und Privatisierungspläne für das 12.000 m² große Sägenhallen-Areal, der Startschuss für ein öffentliches Kreativ-zentrum war gegeben und Steindl blieb dem Ländle als CampusVäre-Geschäftsführerin erhalten. Seit 2021 entwickelt sich die CampusVäre – seitdem ist viel passiert.

Multidimensionales Zentrum für Kreativwirtschaft.
Auf zum Rundgang mit der Hausherrin: Gemeinsam mit der enthusiastischen Kulturmanagerin erkundet die Vorarlbergerin Business das belebte Gelände. Im Inneren der Halle 5 der CampusVäre kann man eigentlich kaum glauben, dass man sich immer noch im idyllischen Ländle befindet. Denn die urbane Atmosphäre der kollektiven Werkstatt für Kunstschaffende erinnert spontan an die coolsten Großstädte der Welt. Und was vor zehn Jahren noch undenkbar gewesen wäre, wird hier gerade Wirklichkeit. Kuratiert wird die riesige Halle 5 vom Vorarlberger Künstler Roland Adlassnigg, der hier wie auch die vielen anderen Kunstschaffenden an seinen Werken arbeitet. In der Halle 5 geben sich die coolsten Kreativen der Region die Klinke in die Hand – und die Warteliste für einen der großzügigen und vor allem leistbaren Atelierplätze wird immer länger. Nebenan in Halle 6 finden regelmäßige Ausstellungen statt, im März hat das designforum Vorarlberg mit dem vielseitigen Jahresprogramm gestartet.
Kreative sind der Rohstoff der Zukunft.
Bettina Steindl
Derzeit werden in der kleinsten der sechs ehemaligen Webereihallen die Gewinnerprojekte des Staatspreis Design präsentiert. Mit dabei sind natürlich auch die Vorarlberger Preisträger:innen, ein Kollektiv aus Designer:innen und Handwerker:innen aus dem Bregenzerwald. Die vielen genialen Ideen sind noch bis 8. Mai ausgestellt, danach bereichert das designforum Vorarlberg den Kulturhotspot mit zahlreichen spannenden Workshops, Vorträgen und Veranstaltungen. Zu Gast sind unter anderem der Creative Club Austria mit dem Venus Design Award, Georg Milde, Birgit Mager und ein exklusives großes Sommer-Gathering von Ladies, Wine & Design.

Vernetzung und Offenheit für neue Ideen.
In der CampusVäre finden Workshops, Theateraufführungen und Podiumsdiskussionen statt, die kulinarischen Events sind hier auch ein Ideenschmaus. Es wir ausgestellt, musiziert, diskutiert, erfunden, gewerkelt und überlegt. Das Programm ist dabei so vielfältig wie die Akteurinnen. Die Creative Lunches sind ein Beispiel dafür: Am großen Mittagstisch entsteht eine einzigartige Atmosphäre. „Gemeinsam essen fördert die Gesprächskultur“, ist Steindl überzeugt. Die Idee dahinter war, spannende Menschen auf ungezwungene Art und Weise zu vernetzen. Das Mittagsformat ist bewusst gewählt: Viele kreative Frauen mit jüngeren Kindern finden so leichter Möglichkeiten, an Events teilzunehmen. Die Termine werden also auch familienfreundlicher gestaltet. Das Team der CampusVäre möchte alle einschließen und bietet dafür, wie auch in diesem Fall, die richtige Mischung aus Kreativität und Flexibilität. Das Projekt liefert den Beweis: Mit guten Ideen und Offenheit, lässt sich viel erreichen.
Leistbare Räume für kreative Entwicklung.
Der zentrumsnahe Standort birgt viel Potenzial. Unter dem Motto Meter für Meter werden neue kreative Angebote für die Region geschaffen. Die starke Vernetzung mit der FH Vorarlberg sowie auch die räumliche Nähe bieten eine Plattform, die dem Lehrbetrieb zu mehr Sichtbarkeit am Wirtschaftsstandort Vorarlberg verhilft. Das angrenzende Areal schafft aber auch einen konsumfreien Raum für die Kreativität der Studierenden. Für die Zukunft ist etwa eine Paddle-Tennis-Anlage in Halle 1 geplant, die das Gebiet mit einem Sportangebot zusätzlich bereichert. Inzwischen sind zahlreiche übergreifende Projekte entstanden, von Workshops über Vorlesungen bis zu nachhaltiger Umbauweise – die alten Fenster der wachsenden Uni werden am Campus wieder eingebaut. Das schont die Umwelt und das Budget der nachhaltigen Initiative und zeigt klare Haltung mit Vorbildfunktion. Bei der Revitalisierung des Areals werden umweltbewusste Trends aus der Baubranche umgesetzt. Derzeit wird eine der Hallen als Lager für sogenanntes Urban Mining verwendet. Hierbei nutzt die CampusVäre einmal mehr ihr außergewöhnliches Potenzial: viel Platz. In Kooperation mit Unternehmen und öffentlichen Institutionen wird wertvolles brauchbares Material von Umbauten oder Erweiterungen gerettet, das so ein zweites Leben erhält.

Wegen Umbau geöffnet.
Die große Umbauaktion in Halle 4 ist aktuell für Interessierte jederzeit zugänglich und liefert neue Impulse. Mit dem Architekt:innen-Team um Johannes Kaufmann wurden nachhaltige Bürolösungen in Holzbauweise geplant und das Kreativzentrum öffnet somit einmal mehr seine Tore für Visionär:innen. Auch die Stadt unterstützt die Idee und bald werden am Campus leistbare Büroeinheiten in einem bereichernden Umfeld vermietet. Steindl ist überzeugt: Förderung von kreativem Schaffen ist der Schlüssel zur einer positiven Gesellschaftsentwicklung. Sie hat noch viel vor – und freut sich mit ihrem Team auf eine blühende Zukunft für die CampusVäre.
